7 Fragen an Claudius von Plettenberg, Managing Director bei AURELIUS Wachstumskapital

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Lieber Claudius, was erwartest Du grundsätzlich für das M&A-Jahr 2021. Was hat sich durch die COVID-Pandemie geändert? Goldene Zeiten oder erhöhter Wettbewerb um gute Deals?

Zu Beginn des Jahres habe ich mich sehr schwer getan den Verlauf des Jahres zu prognostizieren, da einfach zu viele Unsicherheiten verschiedenster Art in der Luft lagen. Inzwischen gehe ich in unserem Marktsegment von einem hohen Transaktionsgeschehen aus, auch wenn die Corona Situation teilweise die Transaktionsgeschwindigkeit bremst. Erhöhten Wettbewerb beobachten wir allerdings auch zunehmend. Mit einer klaren Strategie und Positionierung kann man sich aber gut abgrenzen und erfolgreich in einem kompetitiven Umfeld agieren.


Neben „Equity Opportunities“, also Distressed Investments, hat AURELIUS vor einigen Jahren das Segment „Wachstumskapital“ für gesunde Unternehmen erschlossen. Woher kam der Strategiewechsel?

Generell würde ich das nicht als Strategiewechsel bezeichnen, sondern von einer Erweiterung des Investmentspektrums sprechen. Die AURELIUS Gruppe ist schon lange ein breit aufgestellter Multi-Asset Manager und unser Bereich „Wachstumskapital“ nimmt eine wichtige und stark wachsende Säule in dieser Gruppe ein. Wir investieren in wachsende und gut positionierte Gesellschaften mit EBITDAs zwischen EUR 3-10m, welchen wir im Anschluss bei der Realisierung verschiedener Wachstumsstrategien operative und kapitalseitige Unterstützung bieten. Jedoch möchte ich noch darauf hinweisen, dass die Equity Opportunities schon lange keine Distressed Investments mehr macht, sondern sich auf profitable Unternehmen mit operativen Potenzialen fokussiert hat.


Böse Zungen behaupten, Kapital sei heutzutage ein Commodity. Wie kann sich AURELIUS im Markt differenzieren?

Nachhaltige Differenzierung erreicht man über viele verschiedene Puzzleteile. Kapital ist weiterhin ein wichtiger Bestandteil, vor allem wenn es langfristig und in einer „Evergreen“ Struktur“ verfügbar ist. Zudem überzeugt unser operativer Ansatz, sprich eine aktive Portfoliobetreuung. Wir verfügen über mehr als 90 Operations Experten, die mit ihrer langjährigen Erfahrung unsere Beteiligungen in allen Bereichen unterstützen können. Zu guter Letzt muss es natürlich auch menschlich und persönlich passen. Ich glaube in diesem Punkt haben wir ein sehr schlagkräftiges Team zusammengestellt, welches verlässlich und mit Herzblut an den diversen Themen arbeitet. Das schafft Vertrauen und ist eine wichtige Basis für eine gute Zusammenarbeit.


„Mit einer klaren Strategie und Positionierung kann man sich gut abgrenzen und erfolgreich in einem kompetitiven Umfeld agieren“


AURELIUS ist eine europaweite Organisation. Wie stellt ihr sicher, dass ihr alle relevanten Deals im Markt seht und welche Tools nutzt ihr zur Unterstützung des Dealsourcing?

Effizientes Dealsourcing basiert auch heute noch auf langjährigen Kontakten zu relevanten Marktteilnehmern. Hier ist wieder mal Vertrauen und Verlässlichkeit ein wichtiges Kriterium um relevanten, teils proprietären Deal Flow rechtzeitig zu sehen. Neue digitale Tools, wie DealCircle sind eine wertvolle und immer wichtigere Ergänzung, um sein Netzwerk konstant auszubauen. Darüber hinaus gibt es eine Reihe an kreativen Dealsourcing Instrumenten, welche man aber besser für sich behalten sollte.


Welche Rolle spielen bei der Beurteilung des Dealflows die ESG-Kriterien? Nur modische Buzzwords oder größerer Einfluss auf die Investment-Strategie?

Wir sind uns unserer sozialen und ökologischen Verantwortung bewusst und integrieren ESG-Aspekte immer wieder in unsere Überlegungen. Die Basis hierfür bildet unsere konzernweite ESG-Richtlinie. Für uns als Beteiligungsgesellschaft umfasst diese Selbstverpflichtung sowohl unser eigenes Unternehmen als auch deren Integration im operativen Management der von AURELIUS betreuten Unternehmen. Neben der bewussten Wahrnehmung von Verantwortung rückt die ESG Diskussion aber auch neue Geschäftsmodelle in den Fokus, welche für uns als Investor langfristig interessant sein können.


„Die Digitalisierung kleinerer Mittelständler eröffnet viele Chancen, aber bringt auch disruptive Risiken für Geschäftsmodelle mit sich“


Welche Transaktion macht dich besonders stolz und warum?

Jede Transaktion ist was ganz Besonderes und hat seine speziellen Erlebnisse. Im letzten Jahr konnten wir uns an der detailM Gruppe, einer digitalen Marketing Agentur, beteiligen. Die Transaktion macht mich in einem gewissen Maße stolz, da die Rahmenbedingungen in der Hochphase der Corona Pandemie sicherlich nicht die einfachsten waren. Das erste Treffen mit dem Management fand noch digital statt und die Meetings danach waren geprägt von strengen Corona Regeln. Zudem war der Wettbewerb auf dieser Transaktion sehr hoch – da freut man sich besonders, wenn man am Ende den Zuschlag erhält.


Abseits vom allgegenwärtigen COVID – welche Themen treiben euch gerade am meisten um?

Die Digitalisierung kleinerer Mittelständler ist sicherlich ein Feld, welchem wir enorm viel Beachtung schenken. Dieser Themenkomplex eröffnet viele Chancen, aber bringt auch oft disruptive Risiken für Geschäftsmodelle mit sich. Apropos Digitalisierung, wir arbeiten auch zunehmend daran unsere eigenen internen Prozesse stärker zu digitalisieren und machen hier große Fortschritte. Ein weiteres Thema ist der stetige Anstieg von Firmen, welche keine adäquate Nachfolgelösung etabliert haben. Dies kann zu einem gesamtvolkswirtschaftlichen Problem werden. Da wir allerdings auch in Firmen mit Nachfolgethemen investieren, ist dies ein Problemfeld, welches für uns eine Reihe an Chancen bietet.

Kai Hesselmann

Kai Hesselmann

Kai ist Co-Founder und Managing Partner von DealCircle.
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