7 Fragen an Dr. Holger Kleingarn, Managing Director von H.I.G. Capital

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Lieber Herr Dr. Kleingarn, Sie sind bei H.I.G. Managing Director und Head of DACH. Was zeichnet den M&A-Markt in der DACH-Region aus und was fasziniert Sie daran?

Der M&A-Markt in der DACH-Region ist überaus attraktiv. Dies begründet sich in einem generell hohen und wachsenden Transaktionsvolumen. Es findet sich eine Vielzahl interessanter Sektoren und Sub-Sektoren, was aus der ausdifferenzierten Wirtschaft mit internationaler Ausrichtung resultiert. Viele der veräußerten Unternehmen oder Unternehmensteile sind immer noch sogenannte „Primaries“ – also Unternehmen etwa aus dem Eigentum von Gründern oder Familien. Dies wirkt sich wiederum positiv auf das Wertsteigerungspotential aus. Schließlich sind die etablierten Eigen- und Fremdkapitalgeber sowie auch die vermittelnden Investmentbanken in aller Regel sehr verlässlich. Das führt zu einer höheren Trankaktionssicherheit.


Sie verantworten aktuell fünf Unternehmen und sitzen dort im Beirat. Wie behält man bei so vielen Portfoliounternehmen den Überblick?

Vorweg – wir bei H.I.G. sind Teamplayer und deshalb kann ich auf die Unterstützung einer starken Mannschaft zählen. Ein Portfoliounternehmen wird immer von einem Team betreut, in dem Rollen und Schwerpunkte klar definiert sind und damit jeder zum Erfolg beiträgt. Für jedes Portfoliounternehmen haben wir bestimmte Kernthemen und Werthebel identifiziert, an denen wir gemeinsam mit der Unternehmensführung arbeiten. Somit kann ich mich in der Beiratsarbeit auf diese Kernthemen konzentrieren. Ganz wichtig ist dabei die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit erstklassigen Managementteams. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, wird das Investment zum Erfolg.


Jüngst wurde der neue Europe Middle Market LBO Fund mit einem Volumen von 2 Mrd. Euro aufgelegt. Viel Geld für ein hart umkämpftes Marktsegment. Wie stellen Sie Ihr Dealsourcing auf, um sich im Wettbewerb zu behaupten?

Wir stellen uns im Dealsourcing breit auf. Das bedeutet, wir binden unser gesamtes Investment Team, unser Business Development und unser breites Netzwerk systematisch ein. Zwar kommt die überwiegende Anzahl von Opportunitäten heute über Intermediäre zu uns. Aber wir schaffen es immer wieder, uns auch proprietäre Situationen zu erarbeiten – vor allem bei kleineren Unternehmen, oder weil wir direkt zu Beginn mehrere Unternehmen zusammenführen und damit de facto proprietär sind. H.I.G. Capital ist ein sehr gradliniges Haus. Der Markt weiß, dass er sich auf unser Wort verlassen kann. So entsteht Vertrauen und davon profitieren alle Beteiligten.


„Digitale M&A-Tools und -Plattformen werden an Bedeutung gewinnen – das entwickelt sich parallel zur zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft.“


Sie haben zuletzt, durch DealCircle vermittelt, die Infratech Bau akquiriert. Welche Rolle spielen bei Ihnen im Dealsourcing digitale M&A-Tools und Plattformen?

Digitale M&A-Tools und -Plattformen werden an Bedeutung gewinnen – das entwickelt sich parallel zur zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft. Für uns sind digitale M&A-Tools vor allem bei Zusatzakquisitionen für bestehende Portfoliounternehmen relevant. Hier besteht mehr Vorwissen über das Segment, so dass die Informationen besser zu standardisieren sind, was wiederum für die Transaktionseffizienz wichtig ist. Für größere und komplexere Transaktionen sehe ich ebenso digitale Transaktionsunterstützung, beispielsweise bei Datenräumen oder Unternehmensdarstellungen. Außer Frage steht aber auch: Die analogen Tätigkeiten werden noch für lange Zeit essenziell bleiben.


H.I.G investiert vorrangig im Midcap Segment. Wie bewerten Sie das M&A-Jahr 2021 bis jetzt – hat die immer noch vorherrschende COVID-Krise eine Auswirkung?

Für mich verläuft 2021 deutlich positiver, als während des Lockdowns im Winter zu erwarten war. Der Einfluss von COVID ist mit zunehmenden Impffortschritt im deutschsprachigen Raum zurückgegangen, aber das erhöhte staatliche Schuldenniveau sowie die weltweit weiterhin niedrige Impfquote werden noch lange nachwirken. Wir als H.I.G. haben den Vorteil eines sehr flexiblen Investitionsansatzes, mit dem wir neben LBO-Transaktionen oder Carve-Outs auch in Special Situations oder bei Growth Investments aktiv werden. Somit ändert sich in dynamischen Märkten unser Transaktionstyp, nicht aber unsere Investitionsaktivität. Im Gegenteil: 2021 ist für H.I.G. ein Jahr mit sehr hoher Transaktionsaktivität aufgrund neuer Plattforminvestments, Add-on-Akquisitionen, Refinanzierungen und Unternehmensveräußerungen.


„Ich sehe hier einen zunehmenden Einfluss auf unsere Branche und unsere Portfoliounternehmen. Insgesamt überwiegen meines Erachtens aber klar die Chancen.“


Was hat sich bei H.I.G. durch COVID im Hinblick auf die digitale Transformation geändert?

Auf den Punkt gebracht: Vieles und in hoher Geschwindigkeit. Durch den vermehrten Einsatz der digitalen Kommunikations- und Kollaborationstools verlagern sich externe Managementpräsentationen, Coffee Meetings und Beiratssitzungen sowie interne Teambesprechungen und Investmentkomitees in die virtuelle Welt. Persönliche Marketingtreffen und Geschäftsessen finden gefühlt weniger statt. Zugleich stellen wir fest: Nicht bedingt durch COVID, sondern zusammenhängend mit der Digitalisierung, nehmen Risiken in den Bereichen Cyber Security und Chancen durch digitale Data Analytics signifikant zu. Meines Erachtens befinden wir uns erst am Anfang einer langen Reise der fortschreitenden Digitalisierung.


Abseits vom noch immer allgegenwärtigen COVID – welche Themen beschäftigen Sie aktuell am meisten?

Die Liste ist lang. Operativ stehen diverse H.I.G.-Transaktionen im Mittelpunkt, das ist klar. Daneben beschäftigen mich persönlich die Einflüsse der unzähligen Makro-Themen aus der Politik und Staat, Gesellschaft und Demokratie, ESG und Regulatorik, Globalisierung und Digitalisierung, Verschuldung oder Klima. Ich sehe hier einen zunehmenden Einfluss auf unsere Branche und unsere Portfoliounternehmen. Insgesamt überwiegen meines Erachtens aber klar die Chancen. Daher blicke ich sehr optimistisch in die Zukunft.

Kai Hesselmann

Kai Hesselmann

Kai ist Co-Founder und Managing Partner von DealCircle.
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