Auswertung 1. Halbjahr 2026
Handelskonflikte als neuer Treiber – Finanzierung bleibt der Engpass
Intro & Methodik
Der DEALCIRCLE M&A Pulse ist eine regelmäßig durchgeführte Umfrage, die das aktuelle Stimmungsbild und die wichtigsten Entwicklungen im Small- und Midcap-M&A-Markt im DACH-Raum abbildet. In der dritten Ausgabe wurden erneut M&A-Professionals aus Beratung, Private Equity und dem strategischen Käuferumfeld befragt.
Mit der dritten Ausgabe liegen erstmals drei aufeinanderfolgende Erhebungswellen vor. Dadurch lassen sich Trends über die Zeit noch präziser bewerten: Wo hat sich der Markt erholt? Wo hat er sich verschlechtert? Und was sind die zuverlässigen Signale für die kommenden zwölf Monate?
Die Ergebnisse zeichnen ein Bild eines Marktes, der strukturell stabil bleibt – geprägt durch Nachfolgedruck und PE-Exit-Stau – aber kurzfristig unter dem Druck geopolitischer Unsicherheit und restriktiver Finanzierung steht.
Die acht zentralen Erkenntnisse des 3. M&A Pulse H1 2026
1. Handelskonflikte erstmals der stärkste Einflussfaktor
66 % der Befragten nennen internationale Handels- und Zollkonflikte als stärksten Belastungsfaktor für den M&A-Markt – zum ersten Mal in der Geschichte des Pulses führen geopolitische Handelskonflikte die Liste an, noch vor Wirtschaftslage und Zinsniveau. Besonders betroffen sind exportorientierte Branchen wie Automotive, Maschinenbau und Chemie. Die Mehrheit der Transaktionsberater berichtet von verlängerten Entscheidungsprozessen und wachsender Zögerlichkeit auf Käuferseite.
2. Broken Deals auf hohem Niveau – Bewertungslücke bleibt
58 % der Befragten nennen Ergebnisabweichungen als häufigsten Abbruchgrund, 54 % berichten von anhaltenden Kaufpreislücken. Verkäufer orientieren sich noch an historisch hohen Multiples, während Käufer angesichts gestiegener Kapitalkosten deutlich konservativer kalkulieren. Eine sorgfältige Transaktionsvorbereitung und realistische Bewertungserwartungen bleiben entscheidend.
3. Nachfolge bleibt der dominierende Verkaufsgrund
91 % der Befragten nennen Nachfolge als primären Verkaufsgrund – ein Wert, der sich über alle drei Erhebungswellen stabil hält. Jährlich stehen rund 200.000 Unternehmen in Deutschland vor einem Generationswechsel. Für Berater bedeutet dies ein strukturell robustes Angebotspotenzial – unabhängig vom konjunkturellen Umfeld.
4. Strategische Käufer dominieren – PE unter Kapitaldruck
Strategische Käufer aus Deutschland führen das Käuferfeld mit 63,5 % klar an. Private-Equity-Investoren stehen dagegen unter erheblichem Druck: Rund 500 Mrd. EUR Kapital sind in europäischen PE-Fonds gebunden – mit rekordhohen Haltedauern von durchschnittlich 6,6 Jahren. Dieser Kapitalstau bremst Neuakquisitionen und reduziert den Wettbewerbsdruck spürbar.
5. Finanzierung bleibt der Engpass – Bankbereitschaft auf Tiefstand
Nur noch 3 % rechnen mit einer steigenden Bereitschaft der Banken zur Finanzierung von M&A-Transaktionen – ein Einbruch gegenüber 13 % in H1 2025 und 10 % in H2 2025. 75 % der Befragten erwarten keine Verbesserung. 90 % aller Transaktionen werden mit maximal dem 4-fachen EBITDA finanziert.
6. Risikoaversion auf Höchststand
70 % der Befragten berichten von niedrigerer Risikobereitschaft – der höchste Wert seit Beginn der Befragung. Geopolitische Unsicherheit und konjunkturelle Schwäche werden als Haupttreiber genannt. Due-Diligence-Prozesse werden länger, Risikopuffer größer, Earn-out-Komponenten häufiger.
7. Politische Unzufriedenheit auf neuem Höchststand
64 % der Befragten sind unzufrieden mit der Bundesregierung. Als meistgenannte Maßnahmen mit dem größten positiven Effekt auf den M&A-Markt nennen 86 % der Befragten Digitalisierung und Bürokratieabbau. Die regulatorische Komplexität gilt als wesentliche Bremse – insbesondere bei grenzüberschreitenden Deals und in regulierten Branchen.
8. Erholung zeichnet sich ab – die Umsetzung entscheidet jetzt
62,2 % der Befragten erwarten in den nächsten zwölf Monaten einen Anstieg der Transaktionszahlen. Die Stimmung dreht gegenüber dem Tiefpunkt in H1 2025 spürbar. Aktive Marktteilnehmer berichten bereits von mehr Erstgesprächen. Der Vorbereitungsvorsprung wird jetzt relevant – wer Unterlagen, Bewertungsmodelle und Käuferlisten aufgebaut hat, kann schneller reagieren.
Fazit
Der DACH-M&A-Markt in H1 2026 ist ein Markt der Gegensätze: strukturell stabile Angebotslage durch Nachfolgedruck und PE-Exit-Stau – aber kurzfristig gebremst durch geopolitische Unsicherheit, restriktive Bankfinanzierung und hohe Risikoaversion.
62 % erwarten steigende Transaktionszahlen – mehr als je zuvor in der Geschichte des Pulse. Die strukturellen Weichen für eine Erholung sind gestellt. Die Phase der Vorbereitung geht zu Ende. Die Umsetzung entscheidet.
Die vollständige Auswertung mit allen Charts, Trendvergleichen und Brancheneinblicken steht oben zum Download bereit.