Damit eine Übernahme oder Nachfolge nicht an der Finanzierung scheitert, sollten Übernehmer nicht nur auf klassische Kredite setzen. Alternative Modelle wie Sale & Lease Back können zusätzlichen Spielraum schaffen.
Der weltweite M&A-Markt steuert 2026 nach Berechnungen von PwC [1] auf ein Transaktionsvolumen von rund vier Billionen US-Dollar zu – 13 Prozent mehr als 2025. Allerdings wird der Anstieg vor allem von Megadeals getragen: Transaktionen über fünf Milliarden US-Dollar machen inzwischen 48 Prozent des weltweiten Dealwerts aus. Da aber gerade kleinere Akteure weiter mit schwierigen Rahmenbedingungen wie schwachem Wachstum, Unsicherheit und hohen Zinsen zu kämpfen haben, dürfte die Zahl der Transaktionen 2026 insgesamt auf rund 42.000 sinken.
Dabei mangelt es nicht an Übergabeplänen: 41 Prozent der von PwC [2] befragten CEOs planen innerhalb der kommenden drei Jahre eine bedeutende Akquisition. Allein beim Thema Nachfolge wollen laut Nachfolge-Monitoring-Mittelstand [3] der KfW bis Ende 2029 jährlich rund 109.000 KMU-Inhaber ihr Unternehmen in neue Hände übergeben. Ob aus einem strategischen Übernahmeplan oder einer Nachfolgeregelung tatsächlich eine erfolgreiche Transaktion wird, hängt jedoch wesentlich vom Kapitalzugang ab. Und dieser gestaltet sich zunehmend schwierig.
Wenn der Kapitalzugang zum Nadelöhr wird
Gerade bei mittelständischen Transaktionen müssen Käufer weit mehr als den eigentlichen Kaufpreis finanzieren. Neben Beratungs- und Transaktionskosten können unmittelbar nach der Übernahme weitere Mittel erforderlich sein: etwa für die Modernisierung, die Digitalisierung oder den Aufbau zusätzlicher Kapazitäten. Hinzu kommt ausreichend Betriebskapital, um laufende Kosten verlässlich zu decken.
Gleichzeitig wird es schwieriger, diesen Bedarf allein über klassische Bankkredite abzudecken. Nach der KfW-ifo-Kredithürde [4] berichteten im zweiten Quartal 2026 über 40 Prozent der kreditinteressierten KMU von einem restriktiven Verhalten der Banken – der höchste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2017. Besonders betroffen waren Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes. Speziell bei Unternehmensnachfolgen wird der Kapitalzugang für 18 Prozent der mittelständischen Betriebe zum Hindernis, so das KfW-Nachfolge-Monitoring.
Übernahmefinanzierung auf mehrere Säulen stellen
Der Bank Lending Survey [5] der Bundesbank bestätigt das Bild aus Sicht der Kreditinstitute. Demnach strafften die befragten deutschen Banken zuletzt ihre Richtlinien und Konditionen für Unternehmenskredite. Für Käufer bedeutet das: Um sowohl den Kaufpreis als auch den zusätzlichen Kapitalbedarf abzudecken, kann es sinnvoll sein, die Übernahmefinanzierung auf mehrere Säulen zu stellen. Neben Eigenkapital und Bankdarlehen lassen sich dabei auch alternative Finanzierungsinstrumente einbeziehen.
Gebundenes Kapital freisetzen
Besonders bei produzierenden Unternehmen sowie Betrieben aus dem Baugewerbe, der Transportwirtschaft oder der Land- und Forstwirtschaft lohnt sich ein Blick auf das vorhandene Anlagevermögen. Denn häufig ist beträchtliches Kapital in Maschinen, Anlagen und Fuhrparks gebunden. Dieses kann beispielsweise im Rahmen des Finanzierungsmodells Sale & Lease Back gehoben werden.
Dabei verkauft ein Unternehmen mobile, werthaltige und fungible Vermögensgegenstände an einen Finanzierungspartner und least sie unmittelbar zurück. Die Objekte bleiben im Betrieb und können weiter genutzt werden, während ihr gebundener Wert in Liquidität umgewandelt wird. Diese kann dann in die Übernahmefinanzierung einbezogen oder nach dem Eigentümerwechsel für Investitionen und Betriebsausgaben genutzt werden. Da sich die Finanzierung vor allem am Wert und an der Marktgängigkeit der Vermögensgegenstände orientiert, ist sie nahezu bonitätsunabhängig und lässt sich dadurch auch bei Übernahmen von Unternehmen aus angespannten Situationen einsetzen.
Quellenverzeichnis:
[1] https://www.pwc.com/gx/en/services/deals/trends.html
[2] https://www.pwc.de/de/pressemitteilungen/2026/global-m-and-a-industry-trends-2026-weniger-volumen-mehr-wert-neue-prozesse.html
[3] https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/KfW-Research/Nachfolge-im-deutschen-Mittelstand.html
[4] https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-KfW-ifo-Kredithuerde/KfW-ifo-Kredith%C3%BCrde-Q2-2026.pdf
[5] https://www.bundesbank.de/de/presse/pressemitteilungen/juli-ergebnisse-der-umfrage-zum-kreditgeschaeft-bank-lending-survey-in-deutschland-941390
Dies ist ein Gastbeitrag von Carl-Jan von der Goltz, geschäftsführender Gesellschafter bei der Maturus Finance GmbH.